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Straßenlauf Rheinau 30.8.2014

Das Mallorca Marathon Team auf der Rheinau

Immer am letzten Samstag im August, also kurz bevor Aldi und Co. uns wieder mit Nikoläusen aus Schokolade und Lebkuchen, reich an naturidentischen Aromen, ebenso vitaminfreie wie zuckerlastige Schmankerln anbieten, ruft der TV Rheinau zum Wettstreit über 10 Kilometer. Der TV Rheinau ist ein ungemein aktiver Verein im Laufbereich mit einer großen Tradition in der Veranstaltung von Straßen- bzw. Volksläufen und Meisterschaften. Eine gute Organisation mit routinierten Helfern ist garantiert.

Meinen ersten Volkslauf bestritt ich dort schon vor unglaublich langer Zeit, nämlich 1981. Es stimmt übrigens nicht, dass wir damals noch barfuß und nur mit einem Fellüberwurf bekleidet durch den Wald rannten. Dem Ruf der Rheinau folgten am Samstag, den 30.8. auch das „unglaubliche Mallorca Marathon Team“ in Gestalt von Nathalie, Conny und Bernd, verstärkt durch Adam, dem Laufenthusiasten aus dem nicht allzu fernen Osten, und mir.

 

Routiniert und unter Missachtung sämtlicher Routenvorschläge seines Navigationsgerätes kann Bernd fast direkt an der Startlinie parken und wir strömen aus, um unsere Startnummern in Empfang zu nehmen. In ihrem Überschwang hatte sich Nathalie sogar gleich zweimal vorangemeldet.

Die Suche nach der „richtigen“ Herrenumkleide gestaltet sich schwieriger als gewohnt, aus dem wenig frequentierten SPA-Bereich im Kellergeschoss werde ich zusammen mit zwei Rheinauern von einer engagierten Helferin leider wieder verjagt.

Es bleibt nur wenig Zeit zum Einlaufen bis zum Start um 17:00 Uhr, einige Steigerungen und ich merke schon, es herrschen zwar angenehme Temperaturen für einen Abendspaziergang, aber keineswegs optimale Bedingungen für eine wilde Hatz durch den Wald.

Bei der Startaufstellung mogle ich mich fast größenwahnsinnig in die zweite Reihe der etwa fünfhundert Teilnehmer, denn beim Warmlaufen konnte ich erkunden, dass wir anfangs auf recht schmalen Wegen laufen werden, das verspricht zeitraubende Ausweich- und Überholmanöver, weil sich vorne immer so viele „Langsame“ aufstellen.

Die Zeit zum Startschuss wird vom Sprecher mit ein wenig Hintergrundinformationen überbrückt, dass die Spitzenläuferin Simret Restle-Apel zwar gemeldet war, aber nicht auftauchte, dass der Streckenrekord heute vermutlich nicht fallen wird, da er knapp unter 29 Minuten liegt (!!!!!) usw. Schließlich drückt Manfred Asang, der unverwüstliche Routinier, den Abzug der Startpistole und wir schießen ebenfalls los.

Der Sog der Schnellen aus der ersten Reihe reißt mich mit, doch ich reduziere weise nach Kilometer 1 meine Geschwindigkeit. Bei Kilometer 2 überholt mich Adam, das Tuch, das er sich um den Kopf gewickelt hat, verleiht ihm ein beduinenhaftes Aussehen. Wie ein Berber, der ein entlaufenes Dromedar  einfangen will, rast er an mir vorbei. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen und versuche ein Tempo einzuschlagen, das es mir ermöglicht aufrecht und unter voller Beherrschung meiner Verdauungsorgane den Parcours zu bewältigen.

Bei Kilometer Drei erwartet uns die erste Wasserstelle, ich kippe mir den Inhalt meines Bechers, ohne lange zu überlegen, kurzerhand ins Genick. Zum Glück hatte man mir Wasser und kein isotonisches Getränk gereicht, ich wäre sonst vermutlich auf ewig in meinem Trikot geklebt.

Bei Kilometer Vier kann ich Adam einholen, ich winke ihm zu und verkneife mir einen atemraubenden Kommentar. Kilometer Fünf bietet eine weitere Wasserstelle und die Erkenntnis, dass die Hälfte schon geschafft ist. Ich kann viele überholen, die zwischen Kilometer Zwei und Drei so dreist an mir vorbeizogen. Immer wenn ich mich jetzt an einen vor mir Laufenden herangearbeitet habe, habe ich den Eindruck einen Flüchtigen aus dem Lungensanatorium eingeholt zu haben, der mir leider nicht als Zugläufer dienen kann und muss alleine weiter eilen.

Beim Unterqueren der Autobahn gibt es nochmals Wasser, das ich wieder nur äußerlich anwende. Richtig fies gestalten sich die letzten beiden Kilometer. Dieser Teil der Strecke wurde bereits am Anfang durchlaufen aber anscheinend hat der Veranstalter die Zwischenzeit genutzt, um zusätzliche Kurven einzubauen und den ein oder anderen Hügel aufzuschütten. Endlich die Brücke über die Bundesstraße, die letzte Kurve, hinter mir höre ich Schritte nahen. Nein, ich lasse mich nicht überholen und halte dagegen. Ich schieße über die Ziellinie, 42:35 min zeigt die Uhr, ich bin zufrieden.

Mit etwas wackeligen Beinen schaffe ich mich zum Getränkestand, wo nur ein isotonisches Getränk angeboten wird. Es hat in etwa die Farbe des Inhalts einer Blutblase und auch geschmacklich kann ich kaum Unterschiede notieren. Zwischenzeitlich hat Adam das Ziel erreicht (44:46). Bald danach beenden auch Nathalie (49:49), Bernd (51:46) und Conny (52:47) erfolgreich den Wettbewerb.

Nach den üblichen hygienischen Sofortmaßnahmen treffen wir uns wieder am Lang’schen Automobil zum Rücksturz nach Hoggene und während Adam auf der Heimfahrt mit sich wegen seines zu schnellen Einstiegs ins Rennen hadert, fürchten die Langs wegen der sich mittlerweile auftürmenden Wolken im Wohnzimmer grillen zu müssen.