15. Herbstlauf in Weinheim am 28.9.2014

Dokammahi – 15. Herbstlauf in Weinheim am 28.9.2014

Dokammahi ist kein kisuahelischer Ausdruck für ein defektes Werkzeug zum Ordnen der Haartracht sondern die kurpfälzische Quintessenz

des Aufrufs von Conny L., der Pressesprecherin des Marathon Teams Mallorca (MTM), am diesjährigen Weinheimer Herbstlauf teilzunehmen, welcher bereits zum fünfzehnten Mal die Gelegenheit bietet sich am letzten Sonntag im September die Beine 5, 10 oder 21,1 km lang zu vertreten. Start und Ziel ist dabei das Sepp Herberger Stadion in Woinem.


 

Diesem Aufruf folgen Bernd L., Schirrmeister und Navigator des MTM und Nathalie K. , das sportliche Aushängeschild des MTM,  ergänzt durch  Klaus A., besser bekannt als „Monsieur Rakete“, und mich. Wir alle befinden uns in der Vorbereitung auf einen Marathon im Oktober und daher kommt uns der angebotene Halbmarathon sehr gelegen. In Weinheim wird noch Marion G. zu uns stoßen, die nicht aus purer Wollust am sportlichen Kräftemessen sich den Sonntagmorgen  um die Ohren schlägt, sondern sich für den Dresden Marathon rüsten will.

Als Treffpunkt haben wir diesmal nicht den Hoggemer Bahnhof sondern das Palais Lang ausgemacht, wo fast alle überpünktlich eintreffen. Monsieur Klaus wirkt noch ein wenig verschlafen und wir sind froh, dass er immerhin nicht im Pyjama erscheint. Als besonderes Schmankerl taucht Oskar S. auf, der sich gerade auf seinem Fußweg nach Speyer befindet, wo er, wie gewöhnlich sonntags, einen Mietwagen abholen will und damit, je nach Füllstand des Tanks, auch schon mal bis nach Texas fährt. Er versieht uns mit einem vorständlichen „Urbi et Orbi“ und Schirrmeister Bernd lässt den Wagen an.

Ein wunderschöner Spätsommermorgen lächelt uns an und trotz all dieser erfreulichen Vorzeichen haben wir einige Schwierigkeiten den Veranstaltungsort rechtzeitig zu erreichen. Die lakonischen Ratschläge des Navigationsgeräts in Verbindung mit der verschrobenen Beschilderung vor Ort lassen eine Mondlandung als ein vergleichsweise einfaches Manöver erscheinen.

Nachdem wir unsere Startnummern abgeholt haben, beziehen wir unser Hauptquartier auf der Tribüne des Stadions, wo ich, im wahrsten Sinne des Wortes, über eine architektonische Besonderheit stolpere. Offensichtlich hatte man beim Bau des Stadions noch Zement übrig, mit dem man dann vor den Tribünenstufen jeweils eine kleine Rampe aufhäufte, welche, weil außerhalb des Gesichtsfeldes, mit üblen Beinattacken auf sich aufmerksam macht. Conny nutzt eine solche Attacke als Gelegenheit Bernds Sonnenbrille zu zertreten.

Nun gilt es sich für den Wettkampf zu richten und ich beginne mich in meine neu erworbenen Kompressionskniestrümpfe zu schrauben. Ursprünglich hatte ich diese nur geordert um beim Frankfurt Marathon über einen zusätzlichen Wärmeschutz für die Unterschenkel zu verfügen, doch hat in den letzten Wochen eine vorwitzige Ader meinen rechten Unterschenkel in ein knotiges Zweistromland verwandelt und mir eine medizinische Indikation für diese Modetorheit beschert.

Es wird höchste Eisenbahn sich warm zu laufen und ich fege los. Fünf Runden auf der Bahn und einige Steigerungen müssen genügen und ab geht’s zur Startaufstellung auf der Gegengeraden. Es  wird von 10 rückwärts auf 1 gezählt, der Startschuss fällt, AC/DC bläst uns lautstark ihr „Hell’s Bells“ in die Ohren. Die Zehnkilometerläufer starten mit uns und sorgen für einen ordentlichen „Zug im Kamin“. Wir passieren den Startpunkt der um einige Minuten zeitversetzt startenden Fünfkilometerläufer, die uns lautstark anfeuern und uns bis zur Raserei motivieren. Der erste Kilometer ist schon nach vier Minuten Geschichte. Vor mir mache ich einen leichtfüßigen Läufer mit grünem Trikot aus, an dem will ich mich orientieren, der soll mein Zugpferd sein.

Der Halbmarathon erstreckt sich über drei nicht völlig identische Runden, die streckenweise mit den 10ern und 5ern geteilt werden, was leider zur Folge hat, dass wir uns jetzt durch das Mittelfeld der „Fünfer“  kämpfen müssen. Das bedeutet zahllose Ausweichmanöver, Zwischenspurts und unerwünschte Bremsaktionen. Hinzu kommt, dass für den Wettlauf keine Straßen gesperrt wurden und wir uns auf schmalen Geh und Radwegen durch die Landschaft quetschen müssen. Am Ende wird meine GPS Uhr mehr als 300 zusätzlich zurückgelegte Meter anzeigen.

In der zweiten Runde wiederholt sich die unerfreuliche Situation mit den langsameren „Zehnern“. Als ich gerade zwei behäbig trabende Läufer überhole ruft einer erschrocken: „Do kummt jo schunn widda so ä Gazell!“ Ich haste weiter, das Auge fest am grünen Läufer fixiert. Immer wieder gelingt es ihm sich einige Meter von mir abzusetzen, immer wieder kämpfe ich mich mühevoll an ihn heran.

In der letzten Runde beginne ich mit meiner gestrigen Experimentierfreude bei der Rohkostmesse in Speyer zu hadern. Habe ich mit einem Glas Dinkelgrassaft mir selbst eine metabolische Zeitbombe gelegt? Jedenfalls gurgelt im Backstage Bereich meines Verdauungstraktes das bunte Potpourri an Rohheiten vom Vortag so bedrohlich, dass ich mein Tempo reduzieren muss und mir ein noch nicht abgeerntetes Maisfeld reizvoller erscheint als selbst der Garten Eden. Die Gazelle mutiert zur Landschildkröte.

Doch schnell ist der Spuk von alleine wieder verschwunden, wie der grüne Läufer vor mir, der jetzt unerreichbar am Horizont die Beine wirbeln lässt. Ich mobilisiere meine letzten Reserven und kann mein Tempo wieder steigern. Kurz vorm Unterqueren der Autobahn bildet die Strecke eine Schleife und ich habe die Gelegenheit einen Blick auf das Feld der mir folgenden Läufer zu werfen. Ich kann Raketenklaus ausmachen, der im Gegensatz zu mir geradezu obszön frisch wirkt. Die letzten drei Kilometer muss ich hart  kämpfen. Nach vielen Ecken und Kurven biege ich ein letztes Mal ins Sepp Herberger Stadion ein und rette mich mit letzter Kraft über die Ziellinie.

Ich leite mein Wellnessprogramm ein, indem ich erst mal  regungslos auf dem Rasen in der Sonne liegen bleibe. Nur wenige Minuten nach mir erreicht die erste Frau das Ziel, dann die zweite. Es ist unsere Marion, die da so schnell über die Tartanbahn wieselt. Ich beglückwünsche sie und gehe über in Stufe zwei meiner Regeneration, Plündern des Getränkestandes. Schon nach eineinhalb Litern Wasser und alkoholfreiem Radler bin in der Lage mich ein wenig auszulaufen. Unmittelbar danach überkommt mich ein geradezu zwanghaftes Verlangen nach Wasser und Seife.

Der im Stil einer Grenzbefestigung gehaltene Flachbau, der die Duschen beherbergt verheißt nichts Gutes und als ich die schwere Metalltür aufstemme dehnt sich mir eine weitläufige Badelandschaft im zeitlosen Erich Honecker Design entgegen. Die Fliesen an der Wand erwecken den Eindruck als habe sie dereinst Sepp Herberger höchstpersönlich an die Wand gekleistert. Doch die Duschköpfe speien fröhlich große Wassermengen in angenehmen Temperaturen auf die wenigen Hygienebesessenen, die den Weg hierher gefunden haben. Ich genieße diesen ungewohnten Luxus so ausgiebig, dass im WWW (Wasserwerk Weinheim) wegen mir eine Sonderschicht eingelegt werden muss.

Rein wie Meister Propper mache ich mich auf zum Massagepavillon am Ende der Zielgeraden. Dort treffe ich auf die anderen ASGler, die den Lauf allesamt gut überstanden haben. Klaus wird gerade von einem der Masseure bearbeitet. Ich werbe eindringlich für die vorzüglichen Duschen und kann einige der vor mir auf die Knetbehandlung Wartenden weglocken. Frisch gefaltet und gebügelt bewege ich mich kurze Zeit später zum finalen Treffpunkt im sogenannten VIP-Bereich zur Siegerehrung. Marion ist nicht nur als zweite Frau überhaupt ins Ziel gekommen, sie ist auch Siegerin der W40-Frauen. Ich selbst wurde zweiter in der M50 Klasse und erhalte dafür eine Urkunde und einen festen Händedruck. Gewonnen hat diese Altersklasse übrigens der „grüne“ Läufer, Jens P. aus R. Wie mir erst später zugetragen wird, konnte Conny sich den zweiten Platz bei den W50 Damen ergattern.

Blitzsauber geduscht, angenehm müde  und mit dem Wissen, dass wir alle sechs gerüstet sind für die anstehenden Herbstmarathons in Mallorca, Dresden und Frankfurt starten wir zum Rücksturz nach Hoggene.

 

 

Zu guter Letzt ein wenig Statistik:

 

 

Marion Gollnick                      1:37:13

Nathalie Klein                         1:48:54

Cornelia Lang                         1:56:10

 

Michael Karle                         1:33:44

Klaus Auer                             1:46:08

Bernd Lang                            1:53:51