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Mallorca Marathon Okt 2014

Der schönste Inselmarathon der Welt

-Brutale Hitzeschlacht am Ballermann-

Der Start:

Da war es wieder dieses Kribbeln im Bauch – so kurz vor dem Start des schönsten Inselmarathons der Welt in Palma de Mallorca. Da stehen wir also mittendrin im Startblock A. Zusammen mit Läufern aus 64  Nationen. Wir haben kurz vor 9:00 Uhr und es ist jetzt schon verdammt heiß!   Der Veranstalter wird später von einer brutalen Hitzeschlacht berichten. Wir sind alle etwas nervös. Bernd ist unruhig: „ Ich bin kein Hitzeläufer!“ Den Satz haben und werden wir noch häufiger von ihm zu hören bekommen.

Bis auf die Hitze haben wir die allerbesten Voraussetzungen für diesen Lauf. Wir sind ausgeruht, gesund und gut trainiert.  Unser ASG Shirt sorgt wieder für Gesprächsstoff. „ Ahhh, Hockenheim! Da war ich  noch letzte Woche und hab´ne Runde auf dem Ring gedreht!“ Wir machen schnell Werbung für unseren Lauf am 1. November. Dann geht es endlich los. Eine wahnsinnige Stimmung!  Die anderen Startblöcke der 10km-Läufer  und HM´s, die jeweils in Abstand von 10 Minuten nach uns starten sollten, verabschieden uns klatschend. Wir laufen am Yachthafen vorbei hinauf zum Castell de Bellver. Die ersten 5 km mit Höhenmeter sind geschafft und wir laufen zurück nach Palma. Bernd hat sich bereits am ersten Getränkestand nach 3 km die erste Wasserflasche gegriffen. Nathalie und ich  greifen bei Km 7  auch zu. Die Beine sind furchtbar schwer. Es fühlt sich an, als ob die Hitze das Blut verdicken würde. Nathalie hat sich einen kleinen Vorsprung verschafft und schaut immer wieder etwas unsicher zurück. Sie versucht an unseren Gesichtern abzulesen, ob es in Ordnung ist, wenn sie losspurtet. Das ist es  Mit den Langs ist heute kein Blumentopf zu gewinnen. Aus der Traum: „ wir laufen gemeinsam ins Ziel!“ Sie kämpft noch eine Weile mit sich, bis sie eine einsame Entscheidung trifft: „da muss ich heute alleine durch!“

10 km sind geschafft:

 Bernd und ich verfolgen den Pace-Maker  4:00 Stunden. Kurz vor Palma sind wir hinter ihm und Bernd macht noch Blödsinn mit dem Ballon. Er gibt ihm Kopfstöße, dann wird er kurz übermütig und nimmt die Verfolgung von Nathalie auf. Wir haben die 10km in 57 Minuten geschafft!  Ich platziere mich neben den Pace-Maker und quatsche ihn zu. Umgekehrt wäre es mir lieber gewesen, aber der junge Mann ist nicht so sehr gesprächig. Trotzdem erfahre ich so allerhand. Wie man zu so einem Job kommt, dass ein Freund ihn versetzt hat, er schon 12 Marathons gelaufen ist dieses Jahr u.v.m. Auch dass Mickie Krause uns gerade überholt hat. Der Blödelsänger ist ein verdammt guter Läufer! Vielleicht hat sich der Pace-Maker ja von mir ablenken lassen, aber plötzlich waren zwei 4:15 Uhr Ballons hinter uns. „Kollege, du solltest etwas Gas geben!“ Ganz spontan habe ich mich dann entschlossen bei den 4:15 Uhr Pace-Makern zu bleiben. Die waren sehr gesprächig. Sehr gut, so konnte ich mir die Spucke sparen. Es geht hoch und runter. Durch die Gassen Palmas. Das Kopfsteinpflaster tut weh. Kein Schatten! Wir haben km 17 und ich bin fertig. Mein Plan geht nicht auf. Der Mann mit dem Hammer hab´ ich erst bei km 32 erwartet. Aber jetzt schon? Ich habe Bernd eingeholt und wir laufen gemeinsam raus aus Palma. Bei km 20 trennen sich die Marathonis von den HM´s. Jetzt wäre der Moment gewesen, abzubiegen. Nix da, wir haben trainiert auf einen ganzen und nicht auf einen halben Marathon. 

Halbmarathon:

Die Pace Maker haben wir verloren. Wir wissen, dass die Zeit jetzt keine Rolle mehr spielt. Es geht nur noch  darum durchzuhalten. Immerhin haben wir den HM in 2:04 Std. geschafft!

Für Bernd ist die Hitze fast unerträglich. Wir laufen am Meer Richtung S´Arenal durch die kleinen Ortschaften durch. Der Abstand zu Bernd wird größer. An der Verpflegungsstelle bei 26,8 km warte ich auf Bernd und teile mit ihm ein Power-Gel. Es geht ihm nicht gut. Unser Abstand wird immer größer. Zum ersten Mal mache ich mir Sorgen um ihn! Hin und wieder kommt ein: „Hallo Hoggene!“ oder „ Hallo Schnucki, wo ist eure französische Rakete?“ (wir sind seit dem Start bekannt!). Die hat inzwischen   Ballermann 7  erreicht. Ab hier geht es nur noch am Meer entlang zurück nach Palma. Am Wendepunkt  steht Stefan in Position und hat dort bereits eine Fangemeinde organisiert, die sich bereit erklärt haben  für Bernd ein Geburtstagsständchen zu singen. Stefan ist für Nathalie wie ein  Raketenanschub - besser als jeder Energieriegel! Die Freude ihn nach 30 km zu sehen heizt sie richtig an. Sie kommt in 4:01 Std. ins Ziel! Monsieur Rakete, alias Klaus Auer hat sein Pendant gefunden. 

Ich freue mich auch nach 30km Stefan  ihn zu sehen. Er tut gut!! Jetzt heißt es nur noch in Richtung Kathedrale zu laufen. Stefan macht sich Sorgen als er mich ohne Bernd laufen sieht. Die Fangemeinde hat inzwischen Durst bekommen und wartet nicht auf Bernd, der 10 Minuten nach mir den Wendepunkt erreicht. Das war das letzte Lebenszeichen von ihm!

Die Quälerei geht weiter. Am Strand und in den Cafes sitzen viele Leute, die immer wieder versuchen uns Läufer zu motivieren. Immer mehr walken, gehen, bleiben stehen. Es folgt eine klitzekleine Anhöhe und ich denke das muss hier ein Trail sein. „Die laufen alle!“ Na wenn alle laufen, dann laufe ich eben auch. Wo bleibt eigentlich die versprochene Brise vom Meer? Windstill! Zum Quatschen finde ich auch niemand mehr. Einen Versuch wage ich noch, aber der Typ hat Stöpsel im Ohr. Was hört der da? Dr. Schiwago?  Ich sehne jeden Verpflegungsstand herbei. Nehme mir noch eine Flasche Wasser als Proviant mit. Der Durst lässt gar nicht mehr nach. Zweimal kann ich mich unter eine kalte Dusche stellen. Trotzdem dampfe ich wie eine alte Lok.

Am Ziel:

Endlich höre ich die Musik und den Lärm des Zieleinlaufs. Da steht Nathalie und springt mir mit einer Flasche Wasser entgegen. Ein kurzer Jubeltanz! Der letzte KM ist gemein - der führt doch tatsächlich am Zielbogen parallel vorbei, in den Hafen und zurück. Viele gehen wieder. Am Ziel empfängt mich Nathalie. Gott!!!! Bin ich froh sie zu sehen!! Wir fallen uns glücklich in die Arme, holen uns zwei Bier und setzen uns an die Straße um auf Bernd zu warten. Es kommen noch verflixt viele Läufer. Manche lassen sich auf dem letzten KM nochmals aufmuntern, andere reagieren schon auf gar nichts mehr. Wir warten und warten und warten.

WO IST BERND?

Nach 5 Std. 30Min wird mir nun doch mulmig. Ich gebe eine Vermisstenanzeige auf. Im VIP Zelt ist gerade Pressekonferenz. Danach nimmt sich die Eventmanagerin Stefanie Eichel ganz persönlich der Vermisstengeschichte an. Sie tippt auf ihrem Handy herum und meint dann. „ also er liegt nicht im Krankenhaus, das wüsste ich! Es werden alle Läufer aufgesammelt und gelistet.“ „AAHHA, und wo könnte er sein?“ frage ich sie etwas skeptisch. „Ohne Geld, ohne Handy?“  Die Sache erscheint ihr auch etwas merkwürdig und wir tauschen die Handynummern aus. Inzwischen hat überall der Abbau begonnen, die Uhr zeigt 6:16 Uhr an und es kommen immer noch Läufer – unglaublich.  Wir nehmen den Bus und fahren mit einem unguten Gefühl zurück. Im Hotel frage ich an der Rezeption nach, ob es ein Lebenszeichen von Bernd gibt. Ich sage nur etwas von vermissten Ehemann da fragt er schon; „Zimmer 911?““Oh, mein Gott – doch was passiert!“ „ Ja, ihr Mann liegt in der Notaufnahme in Palma!“ Wir fahren in aller Eile nach Palma. Er liegt dort schon seit  5 Stunden! Happy Birthday! Nix mit Feiern mehr im Mega Park und Bierkönig. Er muss bis morgen bleiben. Die Nierenwerte sind sehr schlecht. Ihm hingegen scheint es wieder gut zu gehen – zumindest grinst er wieder.

RÜCKBLICK

Nachdem Bernd den Wendepunkt bei Stefan erreicht hatte, ist er noch ca. 2 km weiter gelaufen. Dann hat er gemerkt dass ihm etwas schummrig wurde. Er hat sich auf die Hafenmauer gelegt. Die Sonne war aber unbarmherzig und er hat die Hitze nicht mehr ausgehalten. Dann hat er sich neben eine Mülltonne gesetzt. Ein Strandbesucher hat ihm

Wasser über den Kopf geschüttet. Es war für ihn der Moment aufzugeben. Er hat  sich aufgerappelt und wurde noch zum Bus Richtung Palma begleitet. Hinterher wusste er nur noch, dass der Bus geräumt wurde, Polizei und Krankenwagen vor Ort waren und er sich im Bus übergeben hatte! Der Busfahrer nimmt garantiert keinen mehr Fahrgast, der eine Startnummer trägt,  mit! Das ist mal sicher.

Wir durften ihn am nächsten Morgen wieder abholen. Die Werte waren wieder alle normal und er hat das Ganze mit viel Humor verarbeitet. Stefanie Eichel hat übrigens weiter nach Bernd gefahndet, hat sich bei mir gemeldet und ihm in einer weiteren SMS gute Besserung gewünscht. 

Ende gut alles gut!