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Dresden Marathon 2014

Dresdner Spätlese


Am Donnerstag den 16.10.2014 stand ich auf dem Bahnhof Mannheim mit meiner vor 3 Monaten gebuchten Fahrkarte nach Dresden zum 16. Morgenpost - Marathon.
Ich starrte wie gebannt auf die Zuganzeigetafel. In der Nacht hatten sich die Zugführer gegen mich entschieden und einen Streik angezettelt. Doch die Bahn hatte ein Einsehen mit einer gestressten Marathonläuferin. Zum Glück kam der Zug pünktlich, was ich als gutes Zeichen für meinen Ausflug deutete. Bis zum Start am Sonntag um 10:30 Uhr verbrachte ich meine Zeit mit gutem Essen (zu Hause bei Muttern schmeckt es bekanntlich am besten), lange Schlafen und Freunde besuchen.

Erst am Sonntagmorgen war ich wieder gedanklich beim Marathon angekommen. Die Scheckliste der Vorbereitung war schnell abgearbeitet und so konnte ich den wettertechnisch wunderschönen Tag gemütlich mit einem kleinen Frühstück beginnen. Per Elternshuttle ging es zur Messehalle ins Stadtzentrum.
Mein erster geplanter Gang war der Weg zu den Toiletten, um die Frühstücksbelastung Kaffee loszuwerden. Doch beim Anblick einer überdimensionalen Warteschlange am WC, drehte ich mich auf dem Absatz um und ging zum Umziehen in die Tiefgarage. Ich fand ein ruhiges Eckchen und fing an, alle meine Cremetuben an mir aufzutragen. Neben mir bereiteten sich zwei Triathleten auf den Marathon vor. Ein Wiedersehen zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.

Nach der Taschenabgabe hatte ich den zweiten Gang zur Toilette geplant. Es waren noch 30 min bis zum Start. Als ich mich hoffnungsvoll der Toilette näherte, stockte mir erneut der Atem. Meine Blase signalisierte mir, dass sie zum Zerbersten gefüllt war und noch immer eine riesige Warteschlange. Nach geschlagenen 20 Minuten bewegte ich mich laufend zum Start. Ich erblickte meinen Startblock, überwand spielend die Absperrung und stand direkt neben dem Läufer mit dem Luftballon für die 3Std. 30Min.

Mit dem Luftballonläufer an meiner Seite war der zu schnelle Anfang ausgeschlossen. Mit dem Startschuss kam die Menschenmasse in Bewegung. Nach 20 Sekunden war ich über der Linie für die Nettozeit und ab da begann die Unternehmung Marathon. Den ersten Kilometer blieb ich in der Nähe des Ballonläufers. Dann war mir das Tempo zu langsam und ich lief mein eigenes Tempo. Bei 6 Kilometer tauchte ein Läufer neben mir auf, der mir wohl aus der Tiefgarage bekannt war. Es war sein erster Marathon und so blieben wir ein unzertrennliches Pärchen bis 35 Kilometer.  Der Lauf entwickelte sich zu einem Traumlauf. Alles passte: das Wetter, das Tempo, Verpflegung, körperliche Verfassung und Spaß. Bei Kilometer 35 gab ich meinem Mitläufer den Tipp sein  eigenes schnelleres Tempo zu laufen, um eine bessere Zeit zu erreichen.

Ich blieb meinem Tempo treu, bis in der Ferne ein Motivationsfaktor zur Tempoerhöhung auftauchte: eine Frau! Auf den letzten 4 km konnte ich meine Gesamtplatzierung noch unter die Top 10 erreichen. 200 m vor dem Ziel sah ich noch eine Frau und gleichzeitig die laufende Zeit. Ich nahm sprichwörtlich die Beine in die Hand und überrannte die Frau noch. Welch eine Zeit für mich!

Im Ziel angekommen gratulierte ich noch schnell meinem Mitläufer und begab mich in die Tiefgarage. Schnelles Umziehen war gefragt, um auch zügig eine leere Massagebank zu erhaschen. Ich hatte Glück, denn diesmal stand die Schlange hinter mir. Gut gelaunt holte ich mir meine Urkunde ab, sah nach den Zeiten für die Siegerehrung und marschierte zur großen Freitreppe, um den Ehrungen zu zuschauen.
Silke Ruder gesellte sich zu mir und deutete auf meine Urkunde. Erst da bemerkte ich am unteren Ende die Platzierung: 8. Platz gesamt und 2. Platz in der Altersklasse mit einer Zeit von 3:25:55.

WOW!!! Was für ein herrlicher Tag! Alles hatte gepasst: das Training vorher, das Wetter, der Lauf und die tolle Platzierung. Das Elternshuttle brachte mich wieder zurück und ein reichhaltiges Essen brachte meine körperlichen Bedürfnisse wieder auf Vordermann. Mit der Bahn fing die Reise auf dem Mannheimer Bahnhof an und dort sollte sie auch am Montag Mittag enden. Nur diesmal hatte die Bahn keine Einsicht mit einer Marathonläuferin. Ein Oberleitungsschaden in Mannheim ergab einen Umweg über Heidelberg, von wo ich mit dem Auto abgeholt werden musste. Das Glück ist nicht täglich zu haben, schon gar nicht bei der Bahn!