ASG-TolleFrauen@Bienwald-Marathon 2015

Ute Arnold belegt 2. Platz ihrer AK u. 3. Platz bei der Team-Wertung

Es sollte ein Trainingslauf werden für Ute und mich. Wir  hatten nicht auf einen Marathon trainiert. Das gleiche Problem hatte auch Roberta, die gerne nach ihrem Renovierungsstress einen langen Lauf machen wollte und sich spontan entschied mit uns die volle Distanz zu laufen. Anfänglich noch etwas skeptisch, ob sie es überhaupt schafft, lief sie ab km 20 zur Hochform auf.

Die Rahmenbedingungen hätten nicht besser sein können. Traumwetter und gute Stimmung!

Gestartet wurde  in verschiedenen Startblöcken. Wir haben uns im letzen Block eingereiht. Als realistische Zeit  peilen wir 4:30 Std. an.

 

Es geht los:

 2 km durch den Ort Minfeld. Hier stehen tatsächlich ein paar Anwohner und spornen die Läufer an. Es geht weiter übers Feld und hinein in den Wald.  Die Sonne wärmt schon etwas und macht gute Laune. Wir sind  bei km 7, da kommen uns auch schon die ersten Halbmarathonis entgegen. Sie haben den Wendepunkt schon erreicht und sind in Richtung Ziel unterwegs.  Auf der Landstraße werden es mehr. Wir sehen in die verbissenen Gesichter der Spitzenprinter. Wir laufen gemütlich und schnatternd weiter. Gesprächsstoff  und wechselnde Gesprächspartner haben wir genug auf der langen Geraden, die so gar kein Ende nehmen möchte.

 10 km

In 59 Minuten bringen wir die erste Teilstrecke hinter uns  und fühlen uns super. Bekannte Gesichter gibt es auch  auf der Laufstrecke. Marathon-Team Ketsch ist gut vertreten und bringt einen HM-Novizen mit vereinten Kräften ins Ziel. 

12 km

Die Wendestelle der Halbmarathonis! Für uns geht es weiter, immer der Straße entlang. Die ersten schnellen Marathonis sind schon auf dem Rückweg und kommen uns  entgegen. Immerhin gehört der Bienwaldmarathon zu den 5 schnellsten Marathonstrecken. Wir kommen in die zweite und auch letzte Ortschaft - „Schaidt“. Dort erwartet uns eine Blaskappelle mit dem Klassiker von Udo Jürgens „aber bitte mit Sahne!“ Das motiviert ungemein! Viel mehr bekommen wir vom Ort nicht zu sehen. Wir laufen noch ein paar Kilometer bis zum nächsten Wendepunkt und zurück zur Blaskappelle. Inzwischen spielen Sie  „über den Wolken...“ von Reinhard Mey. Wie passend! Wir schweben vorbei und haben wieder Mitläufer, die sehr charmant erzählten, dass sie den drei Grazien auf den Fersen waren und jetzt nur noch unsere auffälligen ASG-Shirts bewunderten. Wir werden zugeschwallt und   über alle schönen Läufe in Südafrika informiert. Die Beine werden langsam schwer und unsere „Mitläufer“ werden schneller und verlassen uns. Wir erreichen den Abzweig in den wohl langweiligsten Teil der Strecke. Naturverbunden nennt es der Veranstalter. „Hier fühlt sich auch die Wildkatze wohl“, heißt es auf dem Plakat. Es müsste eher heißen: „Hier fühlt sich nur die Wildkatze wohl“.

HM

Die Hälfte der Strecke bewältigen wir in 2:07 Std. und sind mit uns zufrieden. Die Strecke verlangt uns einiges ab. Einzigste Abwechslung bieten die Verpflegungsstände. Die besten Orangenschnitten gibt es hier. Wir stopfen uns mit Bananenstücke und  Orangen voll. Viele, viele Läufer kommen uns  entgegen - da sollte doch bald der Wendepunkt kommen. Sollte!!! Er kommt und kommt nicht. Die Beine werden immer schwerer. Inzwischen werden wir vom Pace-Maker 4:15 Std. ganz locker überholt. Wir liegen also noch gut in der Zeit! Nur die Beine fühlen sich nicht mehr so locker an. Die sind ja nur auf 25 km trainiert! Endlich kommt der Wendepunkt und wir können  unsere Verfolger auf der anderen Seite  beäugen. Wir entdecken  den Pace Maker 4:30 Std. und kurze Zeit später den Besenwagen. Das frustriert! Ein Marathoni schiebt einen Kinderwagen vor sich her. Der Kleine schreit und jammert. Kein Wunder! Papa hat bestimmt das  Märchen von Hänsel und Gretel erzählt. Das könnte sich hier wirklich einmal abgespielt haben.

Km 31

Endlich --- wir verlassen diesen Wald. Mit schweren Beinen kommen wir wieder auf die Landstraße zurück. Jetzt kommen uns keine Läufer mehr entgegen, es geht nur noch Richtung Ziel. Wir überholen und werden überholt – immer von denselben! Es ist ein ständiges stehen bleiben, weiter laufen. Der Kinderwagen überholt uns lässig.  Ute plagen Krämpfe – Bienwaldkrämpfe! Das sind Krämpfe, die ausschließlich nur hier auftreten.  Insgeheim in ich froh um diese kleinen Pausen. Es gibt Cola an den nächsten Verpflegungsstellen. Ich trinke gleich mehrere Becher und quäle mich weiter. Es wird mir gerade bewusst, dass ein Marathon 42 km hat. Die Straße  will nicht enden. Endlich geht es wieder in den Wald und nach ein paar Kilometern hinaus aufs Feld.  Wir sehen die ersten Häuser und es sind immer noch 4 km zu laufen.  Ich werde langsamer, habe das Gefühl gleich rückwärts zu laufen. Jetzt bin ich der Bremsläufer unserer Truppe. Ute hält in ihrer gewohnter stoischen Ruhe die Laufgeschwindigkeit und Roberta muss an der letzten Verpflegungsstelle einen ganzen Becher mit Endorphinen erwischt haben. Sie schwebt fast über den Boden und ist jetzt Alleinunterhalterin. Sie teilt mit uns ein Traubenzucker für die letzten Km.

Zieleinlauf

Endlich laufen wir ins Stadion ein, da versucht doch tatsächlich der Zugläufer 4:30 Std. uns zu überholen. Ich stoße einen spitzen entsetzten Schrei aus. Der junge Mann zieht augenblicklich, ebenfalls entsetzt,  die Bremse und versucht uns vor sich her zu treiben. „Auf Mädels, das schafft ihr noch!“ Er gibt die Sekunden durch bis zum Ziel. Ich bin mir sicher im Ziel tot um zu fallen und versuche meine Gesichtszüge für das Zielfoto unter Kontrolle zu bekommen. Zeitgleich laufen wir ins Ziel in 4 Stunden 31 Minuten!

Siegerehrung

In der Halle gibt es keinen Kuchen und kein Käsebrötchen mehr. Wir warten die  Siegerehrung ab. Ute belegt den 2. Platz ihrer AK und zusammen erreichen wir den 3. Platz in der Team-Wertung! Wir freuen uns riesig!

Wie gut, dass wir nicht auf dem 1.Platz waren, sonst hätten wir das von Erdinger gesponserte  Gewinnerglas mit 3 Litern Bier austrinken müssen. Dafür teilt die Männer Mannschaft mit uns den Riesenbottich.

Auch wenn die Laufstrecke nicht sehr  viel zu bieten hat, ist der Bienwaldmarathon eine sehr schöne und gut organisierte Veranstaltung!  Ob wir ihn noch mal laufen? Keine Ahnung, aber wenn, dann nur im Team!  

   Conny