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Deutsche Duathlon Meisterschaften 2015 in Kalkar

Marion Gollnick holt Titel

 

Schon seit langem hatte ich wieder den Wunsch an den Deutschen Duathlon Meisterschaften der Altersklassen teilzunehmen. Ich entschied mich für 2015 ohne zu ahnen, wo und wann die Meisterschaften stattfinden. Bei Bekanntgabe der Eckdaten für den Wettkampf war ich sehr hin- und hergerissen und zweifelte an einer Teilnahme. Der Termin war der 29.03.2015 und der Austragungsort das Wunderland in Kalkar. Der zeitige Termin erschien mir sehr ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Der Ort dagegen war mir völlig unbekannt. Also suchte ich im Internet nach dem Austragungsort und wurde schnell fündig.


Die Stadt Kalkar liegt am Niederrhein in der Nähe der niederländischen Grenze. Das Wunderland ist ein großer Familienfreizeitpark mit Hotelkomplex und zwei riesigen Hallen. Da der Freizeitpark im April seine Pforten öffnet, musste der Austragungstermin noch vor dem Eröffnungsdatum liegen. Außerdem hatte sich die Deutsche Triathlon Union (DTU) für die Europameisterschaften im Duathlon für 2016 mit dem Wunderland Kalkar beworben und wollte mit dieser Veranstaltung zeigen, welche Möglichkeiten gegeben waren.
Veranstalter und DTU hatten wohl eine leise Vorahnung von den Wetterbedingen gehabt, als sie die Wettkampfstätte auswählten und ihren wahren Wert frühzeitig erkannten.
Ich entschloss mich also an den Meisterschaften teilzunehmen und meldete mich im Januar an, mit der Hoffnung, dass das Wetter um diese Jahreszeit doch schon schön sein könnte.
Drei Monate vor Wettkampfbeginn trainierte ich unter allen nur möglichen Wetterbedingungen, um nicht wegen des Wetters absagen zu müssen. Zum Glück konnte ich auch jeden Angriff von Krankheiten, die mich umkreisten, abwehren. Mein Tagesablauf war von meinem Trainingsumfang geprägt und an diesem ausgerichtet. Deshalb geht Dank an meine Familie, die mich dabei super unterstützt hat.


Die letzte Woche brach an und das bis dahin schöne warme Wetter nahm seinen „Hut“ und übergab den Staffelstab an das Schlechte. Die Hoffnung, die ich bei der Anmeldung hatte, löste sich in Luft auf. Es kam wie es kommen musste: Regen und Sturm standen auf der Tagesordnung für den 29.03.2015.Ich hatte mir den Landgasthof Beckmann in der Nähe von Kalkar zur Übernachtung herausgesucht. Eine sehr gute Wahl mit vielen Vorzügen wie regionales Essen, Ruhe sowie freundliche und hilfreiche Menschen.


Die Fahrt durch den Ruhrpott war nicht so angenehm, da es viele Baustellen gibt. Als ich ankam, wurde ich schon von den Wetterunbilden willkommen geheißen: es regnete in Strömen und der Wind blies gewaltig von Westen. Nachdem ich mich häuslich im Hotel eingerichtet hatte, fuhr ich zum Freizeitpark, um mich mit der Strecke und dem Gelände vertraut zu machen. Dort erfuhr ich dann auch so gleich von der Änderung der Streckenführung durch den Veranstalter und der DTU . Da die Wettervorhersage für den Wettkampftag so schlecht war, wurde die Zielankunft auf dem Marktplatz Kalkar für die 5km-Strecke abgesagt. Die Gesundheit für Sportler und Zuschauer stand im Vordergrund.


Die 5km-Strecke wurde in den Park des Wunderlandes verlegt und bestand aus 4 Runden mit Zielankunft in der großen Messehalle. In der Messehalle waren auch die Wechselzonen Laufen und Rad für alle Teilnehmer untergebracht. Die große Messehalle bot den Zuschauern bei diesen schlechten Wetterverhältnissen die ideale Möglichkeit alles gleichzeitig erleben zu können: Start, Wechsel, Zieleinläufe, Zeitanzeige, Siegerehrung und selbst Essenausgabe waren vorhanden. Trotzdem lief alles in geordneten Bahnen ab, ohne große Verzögerungen und Zwischenfälle. Ich sah mir alles genau an und fuhr danach wieder ins Hotel zurück, um meine Vorbereitungen zu treffen und den Tag bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen zu lassen.


Am Sonntagmorgen stand ein üppiges Frühstücksbuffet im Hotel bereit. Ich bedauerte es sehr nur einen Bruchteil davon essen zu dürfen und vertröstete mich auf den nächsten Morgen.
Das Wetter ließ nichts Gutes erahnen. Es regnete und stürmte, wie vorhergesagt. Ab 9 Uhr begann der Check-in für die Wechselzone. Ich überlegte nicht lang und packte alle meine Sachen wassersicher in viele Kunststofftüten, die man ja bei Wettkämpfen bekommt und hängte mir alles um. Mit der einen Hand schob ich mein Fahrrad und mit der anderen Hand hielt ich meine Tüten zusammen. Bis zur Messehalle sind es vom Parkplatz fünf Minuten zu gehen. Als ich in der Messehalle ankam, war ich schon nass wie ein Pudel. Hoch Lob, dass ich meine warme und wasserdichte Regenjacke mitgenommen hatte.


Bis zur Wettkampfbesprechung verging die Zeit doch sehr schnell. Bei der Besprechung sah ich dann, dass nicht alle Teilnehmerinnen angereist waren. Jede hatte nur das eine Ziel – finishen – egal wie. Und so ging es an den Start und raus in das nass kalte windige Wetter. Die erste Teilstrecke bis zum Marktplatz kamen der Regen und der Wind direkt von Vorn. Die Gruppe wurde sofort auseinander gerissen. Ich kam gleich gut mit weg und hielt mich bis zum Wechsel im vorderen Teil des Feldes auf. Spannung beim ersten Wechsel. Rein in die Halle und gleich die eigenen Wechselsachen finden – kein Problem. Nur das die Radbrille beim Aufsetzen beschlug und es in der schon dunklen Halle noch dunkler wurde. Für die klammen Hände hatte ich vorgesorgt und mir die ASG – Radhandschuhe schon beim Laufen übergezogen.


Dann die Teildisziplin Radfahren. 40 Kilometer bei Nässe und bei stürmischem Wind – kein wahres Vergnügen. Auf der nun folgenden unbekannten Radstrecke musste ich ständig an meinen Überholfehler bei den Meisterschaften in Ober Ursel denken. Eine Zeitstrafe wäre fatal gewesen. Als ich aber die ersten Kilometer zurückgelegt hatte, war mir klar, dass Zeitstrafen am heutigen Tag und bei dieser Streckenführung nicht vergeben wurden. Es waren zu enge Straßen, zu viel Wind, zu viele Teilnehmer auf der Strecke und kaum ein rechts Fahren möglich. Jeder Teilnehmer versuchte mit den Widrigkeiten klar zu kommen. Das schwerste Stück der Radstrecke war die Wende in Kalkar. Die Einfahrt in die Stadt begann mit Kopfsteinpflaster und setzte sich mit Pflastersteinen fort. Die Straße war nicht breit und man musste den Gegenverkehr der Teilnehmer immer im Blick behalten. Der Wendepunkt befand sich in einer ebenso engen Straße. Man musste sich an den Wendepunkt förmlich heranschleichen, da es bei einer zu schnellen Fahrt auf den nassen Steinen keinen Halt gegeben hätte. Eine Rad Runde waren 20 Kilometer. Beim Radfahren konnte ich einige Plätze gut machen und kam als insgesamt dritte Frau wieder in die Wechselzone. Ich fühlte nicht mehr viel von mir, aber der Wechsel ging trotz leichter Krämpfe in den Beinen beim Schuhe schließen, recht schnell. Wieder raus in das nasse und windige Element und in den Takt der Läufer und der vor Nässe quietschenden Schuhe einordnen. In der 1.Laufrunde musste ich meinen Rhythmus finden. Es lief sich gut und so versuchte ich noch an die zweit platzierte Frau heran zukommen. Leider habe ich es nicht mehr geschafft. Aber nach dem Zieleinlauf und dem Ergebnis – Deutsche Duathlon Meisterin AK W45 –  sah ich es mit Gelassenheit.


Während der Siegerehrung war es ein schönes Gefühl die Nationalhymne zuhören und ganz oben zu stehen. Jetzt kann ich sagen, dass es gut war bei jedem Wetter trainiert zu haben und, dass mein Körper auf so schlechte Wetterbedingungen eingestellt war.Der Tag endete mit einer schönen heißen Dusche und einem leckeren Abendessen. Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen war der krönende Abschluss einer Reise, deren Ausgang ich nie so geahnt hätte.