„Ausländischer Sport Genuss“ – ASG mal (wo)anders

Ab und zu muss man ja auch mal was Neues ausprobieren und so entschloss ich mich am 01. Mai zu einem etwas weiter entfernten Laufevent im schönen Markgräflerland. Ich hatte schon öfter von dem Genusslauf in Müllheim gehört bei dem neben dem Lauf vor allem auch Landschaft und Kulinarisches einen hohen Stellenwert genießen. Da auch noch zwei Arbeitskollegen dort laufen wollten, fiel die Entscheidung zur Anmeldung nicht mehr schwer. Mit am Start war auch Ralf Grunwald, für den die Anfahrt nicht ganz so weit war, und natürlich Marion zur mentalen Unterstützung und frenetischen Anfeuerung.

Es standen zwei Streckenlängen zur Auswahl und man konnte zwischen „Deutschlands schönstem Halbmarathon“ oder dem „Du-kannst-es-schaffen Viertelemarathon“ wählen. Ralf entschied sich zur Vorbereitung auf Zermatt für den reich mit Höhenmetern bestückten Halbmarathon. Für mich sollte es nur ein „flotter Trainingslauf“ (so steht’s im Plan) werden und die 10,8 km sollten reichen zumal es auch auf dieser Strecke einige Anstiege zu bezwingen galt.

Um 12 Uhr gab es noch die „Wildschweinjagd“ für die Nachwuchsläufer, an der auch Ralfs Töchter sehr erfolgreich teilgenommen und sich an der Verfolgung des Wildschweins beteiligt haben. Bei strahlendem Sonnenschein wurden dann um 13:00 die Halbmarathonis auf den Weg geschickt und nahmen die 370 Höhenmeter in Angriff. Ähnlich wie in Heidelberg gab es auch hier ein paar steile Rampen zu bezwingen. Aufgrund der profilierten Streckenführung sind Bestzeiten natürlich kaum zu erwarten, aber es gab durchaus einige Läufer mit Zeiten, die selbst auf einer flachen Strecke Respekt verlangen. Dazu gehörte zweifellos auch Ralf, der mit hervorragenden 1h28m33s auf den 14. Gesamtrang lief und seinen 5. Altersklassenplatz der letzten drei Jahre souverän verteidigen konnte!

Die Viertelemarathonis wurden 25 Minuten später gestartet und die ersten 6 km führten über dieselbe Strecke. Nach einem flachen Anfangskilometer ging es im ständigen Auf-und-ab bis zum Ziel. Ich hatte gleich Kontakt zur Spitzengruppe und konnte mich dann bis KM 5 mühsam auf Platz drei nach vorne kämpfen. Die ersten Beiden schienen zu diesem Zeitpunkt schon unerreichbar weit entfernt, mir wurden nach den über 4 Stunden Koppeltraining vom Vortag langsam die Beine schwer und bei KM 7 ging es noch mal knapp einen Kilometer teilweise recht steil nach oben. Bei Kilometer 8 hatte ich mich dann aber doch bis auf wenige Meter an den Zweiten herangearbeitet, der auf dem folgenden Flachstück aber noch mal richtig Gas gab und sich offenbar nicht so leicht geschlagen geben wollte. Zwei Kilometer später setzte ich dann alles auf eine Karte und zog mit einer beherzten Tempoverschärfung vorbei. Trotz hartnäckiger Gegenwehr (ein gespanntes Raunen ging durch das Eichwaldstadion als wir kurz hintereinander auf die Laufbahn einbogen) konnte ich dann per gefühltem Endlossprint einen 5-sekündigen laktatträchtigen Vorsprung ins Ziel retten und war damit tatsächlich Zweiter! In der Gesamtwertung! Wow. Unerwartet auch die Zeit, den das Streckenprofil à la Heidelberg ließ eigentlich keine Bestzeiten erwarten, aber meine Uhr stand nach 10,8 km bei 40m49s und bei KM 10 bin ich mit 38m39s unterwegs gewesen. Na ja, eben ein „flotter Trainingslauf“ *hechel* *grins*

Der Genuss war damit aber lange noch nicht vorbei, denn der Verpflegungsbereich hinter der Ziellinie konnte sich wirklich sehen lassen und war wesentlich besser bestückt als bei so manchem großen Marathon! Es gab allerlei Getränke (inkl. Sektschorle und Wein), meterweise Obst, Canapées und von allem eine große Auswahl und reichlich! Nebenbei konnte man sich dann auch noch mit Lorbeerkranz ein schönes Erinnerungsfoto knipsen lassen. Wenn man sich dann schweren Herzens aus dem Zielbereich entfernt hatte, konnte man die Glykogenspeicher an ebenfalls gut gefüllten Kuchentheken oder Grillständen weiter auftanken und das zu sehr fairen Preisen.

Vor der eigentlichen Siegerehrung gab es die Prämierung der besten Kostümierungen, denn Einigen sind die normalen Strapazen eines profilierten Laufes nicht genug und sie haben sich bei sommerlichen Temperaturen noch umfangreiche Perücken und allerlei lustige Verkleidungen über die Laufschuhe gezogen. Alles in allem war der Genusslauf in Müllheim genau das: ein Genuss! Super organisiert, super Atmosphäre, super Verpflegung, super Wetter, super Ergebnisse und alles in einem familiären, dorffestlichen Ambiente, deutlich schöner als viele der Läufe, die man sonst so besucht!