Astrid Wollschläger „genießt“ den New York-Marathon in vollen Zügen

Ein Traum wurde Wirklichkeit

 

Manche wünschen sich zum 50. Geburtstag ein Wellnesswochenende. Die für die ASG Triathlon Hockenheim startende Neulußheimerin Astrid Wollschläger bat bei ihrer Geburtstagsfeier im Sommer ihre Gäste um einen Zuschuss, um ihren Traum vom New York Marathon zu ermöglichen. Die 50 -jährige kam eigentlich aus der Not heraus vor sechs Jahren zum Laufsport, um die Zeit der Fahrdienste ihrer beiden Kinder zum Training der DJK Hockenheim, zu überbrücken. „Während meine Kinder bei der DJK trainierten bin ich dann im Hockenheimer Wald selbst gelaufen“, berichtet Astrid Wollschläger wie alles begann. „Wegen der Corona-Situation war erst im September klar, dass ich das Ereignis zusammen mit meiner Tochter Juli in den Herbstferien in Angriff nehmen kann“, so die erfreute ASGlerin.

 


Demnach musste die Reise in die USA und der Start zum Marathon sehr kurzfristig über einen Münchner Laufreisennanbieter gebucht werden. An Allerheiligen, 1. November, ging der Flieger über den Teich. Das Hotel war bewusst in New Jersey gewählt um am Marathontag nicht schon um 4.30 Uhr aus Manhattan raus zu müssen. Von New Jersey bis zum Start waren es nämlich nur ein 20 Minuten mit dem Bus, der direkt vor dem Hotel hielt und alle 15 Minuten durch den Lincoln Tunnel zum Port Authority; einen Block vom Times Square entfernt, fuhr. Die Tage bis zu Start wurden mit Sightseeing verbracht. wie über die Brooklyn Bridge im Sonnenuntergang zu laufen und in den unzähligen Second-Hand-Läden zu shoppen. Und natürlich die obligatorische Abholung der Startunterlagen im Javits Center. Zuvor wurde noch vom Reiseveranstalter zweimal ein kurzer Frühstückslauf für die 25 Marathonteilnehmer aller Altersklassen und deren Begleitpersonen angeboten und sich am Vorabend bei der Pasta Party vom Veranstalter im nahegelegenen Restaurant mit Kohlenhydraten gestärkt. Dann war endlich Raceday. Mit der Zielzeit von 4:30 Stunden war die Neulußheimerin bei ihrem sechsten Marathon angemeldet und somit in der vorletzten Startwelle um 10.55 Uhr. Angesichts der um diese Jahreszeit ungewöhnlich mit 24 Grad hohen Temperaturen und mit der hohen Luftfeuchtigkeit von 95 % war dies nicht gerade eine optimale Startzeit. Bei 50.000 Startern war im Startbereich natürlich einiges los. Aber durch die perfekt organisierte Einteilung der Startblöcke gab es kein Chaos. Nachdem die amerikanische Nationalhymne live gesungen wurde, ging es dann unter den Klängen von Frank Sinatras „New York New York“ und mit ordentlicher Gänsehaut direkt über die erste von fünf Brücken, auf die Verranzano Bridge. Da es unerträglich schwül war wurden am Vortag noch zusätzliche Verpflegungsstellen eingerichtet und die medizinische Versorgung aufgestockt. „Ich habe alle 25 Wasserstellen mitgenommen um die Flüssigkeit aufzunehmen und dann noch zweimal die Dixie-Toiletten an der Strecke aufgesucht und jeweils fünf Minuten in der Schlange gestanden“, berichtet Wollschläger. Die Stimmung war grandios. Seit drei Jahren wieder ein Marathon mit voller Kapazität und ohne Beschränkungen. „Man läuft durch alle Stadtteile der Stadt und wird getragen und angefeuert. Egal, ob du schnell oder langsam bist. Das Publikum feiert einen. Ich konnte es oft nicht glauben, dass ich tatsächlich ein Teil davon bin und das erleben darf“, so die Neulußheimerin von ihren Erlebnissen überwältigt. Bei Meile 17 (Kilometer 30) standen die Begleitpersonen. „Das wussten wir Läufer im Vorhinein. Dahin habe ich mich zunächst „gerettet“. Das zieht einen, wenn man weiß, dass da Angehörige stehen. Glücksgefühle pur als ich meine Tochter Juli sah“, schildert die ASGlerin ihre Gefühle. Weiter ging es zur gefürchteten Queensboro Bridge. Der Letzten von diesen gehässigen Brücken. „Da sind keine Zuschauer. Man hört nur das Tapsen der Schritte und ist mit sich beschäftigt sich immer wieder zu sagen: wenn du unten bist, gehts „nur“ noch die fünf Kilometer lange First Avenue entlang und durch den Central Park bis zum Ziel“, musste die 50-Jährige bis dahin ihren „inneren Schweinehund“ überwinden. Im Central Park gab es keine Barrieren mehr. Die Menschenmassen standen dicht an dicht und nur ein kleiner Korridor blieb zum Laufen. Astrid Wollschläger konnte bei Kilometer 39 kaum noch laufen und ging einige Meter. Ihre Tochter Juli hatte am Vortag von Ali Schneider Reisen eine Eintrittskarte für die Zieltribüne geschenkt bekommen. Sie kämpfte sich von Ihrem Standort bei Meile 17 in den Central Park. 30 Meter vor der Finish Line wartete die 17-Jährige auf ihre in Tränen gerührte, durchnässte Mama. Sehr emotional das Ganze. Im Ziel wurde sich sofort um einen gekümmert. Die Teilnehmer bekamen einen wärmenden Poncho und natürlich die ersehnte Medaille umgehängt. Dauergrinsend ging es zurück zum Hotel wo die Stimmung bei einer kleinen After Race Party schon prächtig war und der verdiente Prosecco besonders gut schmeckte. „Wir sind alle gesund ins Ziel gekommen. Das ist mega und die Zielzeit war völlig schnuppe. Ich habe mein persönliches Ziel unter 5 Stunden den Marathon mit 500 Höhenmetern zu finishen erreicht und wollte einmal in der New York Times stehen. Ein Erlebnis mit meiner Tochter Juli, dass ich nie vergessen werde. Danke an alle, die mir das ermöglicht haben“, so abschließend die nach wie vor gerührte Astrid Wollschläger, die in 4:43:26 Stunden mit Rang 23.348 im Gesamtklassement der 50.000 Starter in der New York Time verewigt wurde.                

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